Elf Sätze
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| Quelle: https://www.outdooractive.com/de/poi/teutoburger-wald/buergerpark/803134055/ |
Neulich habe ich einen Sportkurs besucht. Eine Freundin fragte in einer Chatgruppe, ob jemand sie begleiten wolle. Ein Samstagmorgen im April im Bürgerpark. Ich hatte Zeit, meldete mich an und freute mich auf zwei schöne Stunden mit neuen Impulsen.
In der Woche vor dem Kurs erhielt ich eine Mail von der Trainerin, die darum bat, ihr unsere Erwartungen an den bevorstehenden Kurs niederzuschreiben und zuzusenden. Ich setzte also eine Mail auf, stellte ich mich kurz vor (Job, Leben mit zwei Kindern in vergleichsweise großem Altersabstand, wenig Freizeit für mich) und bat um Übungen, die sich in ohne viel Mühe meinen trubeligen Alltag integrieren lassen. In meiner Erwartungsabfrage kam ich inklusive Begrüßung und Signatur auf elf Sätze.
Ziemlich pünktlich legte ich am besagten Samstag meine Gymnastikmatte auf die Wiese und wir begannen mit einer Vorstellungsrunde. Jede erzählte etwas zu ihrem Background und zu ihren Beweggründen zur Kursanmeldung. Da ich mich wenige Tage vorher mit meinen Beweggründen beschäftigt hatte, wiederholte ich mündlich die Inhalte meiner Mail… Und so wurde ich offenbar zum Hassobjekt für die Trainerin.
Bereits in der Vorstellungsrunde blaffte mich die Trainerin an, ob das nun meine Leier sei, dass ich zwei Kinder habe und keine Zeit für Sport habe. Ich war in diesem Moment total perplex, weil ich wie die anderen Frauen auch nur ein paar Eckpfeiler meines Lebens erläutert hatte. Ohne Wertung, ohne Klagen. Zudem wollte ich den Stand meiner Fitness darlegen. Wir hatten uns ja schließlich zum Sport getroffen. Was hat die Frau so getriggert? Tja. Schwer zu sagen. Ich kann es nur vermuten.
Immer wieder im Laufe des Kurses wurde offen thematisiert, wie unzulänglich meine Begründung sei, mich nicht um meine Sporteinheiten zu kümmern. Die Schuld läge nicht bei meinen Kindern, nicht bei meinem Mann, sondern bei mir. Während des Kurses hatte ich den Eindruck, dass jede meiner Aktionen mir als Ausrede ausgelegt wurde, warum ich etwas nicht kann. “Ja, so habe ich dich eingeschätzt. Du bist ja so gestresst, dass du nicht mal auf einem Bein stehen kannst” oder (ich hatte gerade meine Beine ausgeschüttelt und ein Geräusch im Schotter gemacht) “Ja, da es ist halt etwas rutschig!” Wohlgemerkt: Bei dem genannten Beispiel war ich noch nicht einmal ausgerutscht. Beschwerde oder Ausrede überflüssig. Zwischenzeitlich wurde mir noch der Rat erteilt, mich mal mit meinem Mann zu vergnügen. Auch das könne Stress beseitigen. Haha.
Donnerlittchen, was hatte diese Frau sich auf mich eingeschossen.
Als sich zum Ende des Kurses noch eine Teilnehmerin vermeintlich mit mir solidarisierte und meinte, sie sei auch 23 Jahre in einer toxischen Beziehung gewesen und habe sich nun endlich scheiden lassen, war klar, dass in diesem Kurs für mich nichts mehr zu retten war.
Aus diesem Erlebnis fällt es mir schwer, ein sinnvolles Fazit zu ziehen. Was ist geschehen? Aus meiner Sicht: Ich wollte ein bisschen Sport im Freien machen und hatte auf Lifehacks für Sporteinheiten im Alltag gehofft. Diese blieben leider aus.
Was habe ich gelernt? Es gibt Menschen, die die Schublade, in die sie dich stecken, nicht mehr öffnen, um den Inhalt neu zu sortieren. Diesem radikalen Typ Mensch bin ich an diesem Tag im April erstmals begegnet.
Mit etwas mehr Abstand kann ich sagen, dass ich mir so ein Erlebnis nicht noch einmal zwei Stunden lang antun würde. Die nächste ähnliche Situation wird im Namen meiner Würde schnellstmöglich abgebrochen. Dafür sind meine Auszeiten zu kostbar.
Ich habe offenbar Eindruck hinterlassen, bevor ich überhaupt die Bühne betrat. Und das alles nur aufgrund eines Sender-Empfänger-Problems im Erstkontakt.

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