Meine Social Networks und das Problem der anderen
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Vor drei Jahren habe ich einen Cut gemacht. Ich habe mich getrennt. Und zwar von allen Social-Media-Plattformen, die ausschließlich meiner Unterhaltung dienten. Ich habe Facebook und Instagram verlassen, und auch meinen Account beim unternehmensverwandten Messenger WhatsApp habe ich gekappt.
Ich könnte viele Impulse aufzählen, die mich zu dieser Entscheidung gebracht haben. Aber letztlich gab es nur diesen einen Grund: Ich habe mich nicht mehr wohl gefühlt, diese Dienste zu nutzen, also habe ich mich abgemeldet.
Spannend finde ich die Reaktion meiner Mitmenschen. Eine fand die Entscheidung inspirierend. Manche haben die Info einfach hingenommen und gefragt, wie ich alternativ am schnellsten erreichbar bin. Die meisten fühlen sich provoziert. Warum, ist mir schleierhaft. Ich habe niemanden aufgefordert, die oben aufgeführten Plattformen auch nicht mehr zu nutzen, niemanden zum Boykott aufgerufen, niemandem irgendetwas vorgeworfen. Ich habe einzig meine eigenen Accounts abgeschaltet. Und doch muss ich mich rechtfertigen, diskutieren und manchmal sogar streiten.
Vor einigen Jahren habe ich mit einer Kommilitonin und einer ihrer Freundinnen eine Kaffeepause verbracht. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass die besagte Freundin vegetarisch lebt. Mittlerweile esse auch ich fast gar kein Fleisch mehr. Unbewusst habe ich aber in diesem Moment gleich begonnen, über meinen damaligen Fleischkonsum zu sinnieren und dabei meine Zustimmung für ihren Lebensstil ausgedrückt. Sie sagte: “Hey, entspann dich. Ich hab ja nur gesagt, dass ich kein Fleisch esse. Es passiert mir oft, dass Menschen sich vor mir rechtfertigen. Das musst du doch nicht.” Diese junge Frau personifizierte einfach in diesem Moment für mich ein Ernährungsverhalten, das ich vernünftig finde, nach dem ich mich aber lange nicht gerichtet habe. Und so versuchte ich mich dieser personifizierten Vernunft zu erklären.
Dieser Augenblick geistert mir seit meiner Social-Media-Entsagung durch den Kopf. Sind einige Menschen, mit denen ich mich - wie immer geartet - auseinandersetzen muss, mit ihrem eigenen Medienkonsumverhalten uneins und sehen in mir jemanden, mit dem sie sich austauschen sollten? Vielleicht. Manch eine*r reibt sich sicherlich auch einfach gern, oder ein*e Dritte*r erhebt sich selbst durch Spott über andere. Eine Erkenntnis aus 36 Monaten ohne Facebook, Instagram und WhatsApp: Ich habe die Menschen in meinem Umfeld zum Nachdenken gebracht. Und Nachdenken finde ich gut.
Kurzum:
Wer mit mir kommunizieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten, das zu tun. Meine Handynummer ist dieselbe geblieben. Anrufe funktionieren genauso wie ein, zwei andere Messengerdienste oder auch die gute alte SMS.
Wer den Kontakt mit mir zu umständlich findet: Schade. Du hast sicher deine Gründe. War eine schöne Zeit mit dir! Guten Tag, guten Weg!
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